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St.Galler Schulführungsmodell

Handbuch Schulführung und Schulentwicklung

Das Umfeld der Schulen entwickelt sich dynamisch. Gesellschaftliche Umwälzungen, internationale Spannungen, ökonomische Herausforderungen, Digitalisierung etc. wirken auf die Schulen ein. Im gesamten Bildungssystem sind fundamentale Veränderungsprozesse im Gange oder in Vorbereitung. Die Ansprüche der schulinternen und schulexternen Anspruchsgruppen stehen oft in einem Spannungsfeld zueinander. Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Betriebe sowie Branchen richten unterschiedliche Erwartungen an die Schulleitungen.

Drei grundlegende Gedanken zum Schulführungsverständnis

Die folgenden drei Kerngedanken prägen unser Schulführungsverständnis:

Das Bildungssystem und die einzelnen Schulen sind konfrontiert mit den Einflüssen einer sich stetig wandelnden Gesellschaft und Wirtschaft. Durch Leistungsaufträge wird der Einzelschule Autonomie gewährt und so einer kompetenten Schulleitung vermehrter Gestaltungsspielraum gegeben. Die Schule führt ihre Tätigkeit in aktiver Auseinandersetzung mit verschiedenen Interessen- und Anspruchsgruppen aus. Daraus erwachsen Festlegungen, von denen in massgeblicher Weise abhängt, welche Ziele und Aktivitäten für eine Schule anzustreben sind und welche Ressourcen eine Schule für ihre Tätigkeit erschliessen kann. Die Schule ist so zu gestalten und zu führen, dass sie diesen vielfältigen Ansprüchen möglichst gerecht wird. Dazu muss sie ihre Aktivitäten an einer Strategie ausrichten, sich auf die Kern-prozesse des Lehrens und Lernens konzentrieren, die Prozesse optimal koordinieren und eine für alle sinnstiftende Schulkultur pflegen. Das St.Galler Schulführungsmodell gibt hierzu Orientierungs- und Erklärungshilfen.

Führungsaufgaben umfassen Entwicklungs- und Alltagsaufgaben. Die langfristige Entwicklung der Schule stellt neben der Führung und Organisation des täglichen Schulbetriebs Führungsaufgaben umfassen Entwicklungs- und All-tagsaufgaben. Die langfristige Entwicklung der Schule stellt neben der Führung und Organisation des täglichen Schulbetriebs eine zentrale Herausforderung für die Schulleitung dar. Eine wirksame Schulentwicklung lässt sich nur gestalten, wenn der Schul- und Unterrichtsbetrieb im Alltag funktioniert. Dies erfordert von der Schulleitung ein gutes Management. Gutes Schulmanagement beinhaltet das Organisieren und Steuern von Systemen im Alltag. Dabei steht das Management von Stabilität im Zentrum. Wenn die Schule sich entwickelt und verändert, dann ist das Management von Stabilität nicht mehr genügend. Die Schulentwicklung verlangt weitere Führungsqualitäten - nämlich Leadership. Schulleitungen sollen ihre Mitarbeitenden im Sinne der Sinnstiftung faszinieren und anregen können. Es gilt die Kompetenzen und Qualitäten aller Beteiligten gewinnbringend einzubeziehen. Durch die Entwicklung einer Schulentwicklungsstrategie sind die Wertvorstellungen zu klären, diese zu einer gemeinsamen Vision zu verdichten und in einem Leitbild zu verankern.


Erst das Zusammenwirken von Management und Leadership ermöglicht eine erfolgreiche Schulführung.
 

Unser Schulführungsverständnis folgt dem Ansatz von geteilter Führung, bzw. Distributed Leadership. Dabei werden die Verantwortungen, Kompetenzen und Führungsaufgaben auf mehrere Personen innerhalb und ausserhalb der Schulleitung aufgeteilt. Mitarbeitende in der Schule übernehmen zusätzliche Steuerungs- und Leitungsfunktionen (z. B. Fachgruppenleitungen, Klassenlehrpersonen, temporäre Projekt- und Arbeitsgruppen). Diese gemeinsame Gestaltung der Schule hat positive Effekte auf die Schulkultur und die Zusammenarbeit. An Schulen mit etablierten Formen von Distributed Leadership arbeiten alle Beteiligten enger zusammen. Gleichzeitig benötigen alle Personen mit Leitungsfunktionen vertiefte Kenntnisse über das Funktionieren der Schule als Gesamtsystem, das Führen von Menschen in Teams sowie das Leiten von Projekten. Die Klärung der Rollen, der Zuständigkeiten sowie der Schnittstellen gewinnen zusätzlich an Bedeutung.

Umsetzung im St.Galler Schulführungsmodell

Für die alltägliche Lenkung und längerfristige Entwicklung der Schule haben die Schulleitungen eine Schlüsselrolle inne. Um die vielfältigen Anforderungen bewältigen zu können, benötigen sie Orientierungshilfen. Basierend auf dem St. Galler Managementmodell von Hans Ulrich (1968) haben wir das St.Galler Schulführungsmodell entwickelt, welches für die Führung und Entwicklung von Schulen Steuerungssicherheit schafft. Das Modell umfasst insgesamt 10 Modellelemente: Aussenwelt, Anspruchsgruppen, Strategie, Struktur, Kultur, Führungsprozesse, Kernprozess, Unterstützungsprozesse, Qualitätsmanagement sowie Schulentwicklung. Jedem Modellelement und entsprechend jedem Buchkapitel wurde eine Farbe zugewiesen. Damit können systemische Zusammenhänge und Wechselwirkungen besser erkannt werden.
Im Hintergrund haben wir die deutsche und angelsächsische Schulführungsliteratur verarbeitet, um das Modell theoretisch besser zu unterlegen. Die Theorie ist für den Praxisgebrauch aufgearbeitet. So hilft dieses umfassende Handbuch als Nachschlagewerk im Schulführungsalltag. Ein Schlagwortverzeichnis, Leitfragen zu Beginn der Kapitel und Checklisten schaffen Übersicht. Das Buch kann auch als Lehrmittel in Schulleiterausbildungen eingesetzt werden. Es deckt alle Lerninhalte des EDK-Schulleiterprofils sowie zahlreiche weitere Inhalte ab.
 

Kernaussagen des St.Galler Schulführungsmodells

  • Schulen sind offene, produktive, soziale Systeme.
  • Schulen sind Expertenorganisationen. Die Lehrpersonen sind in ihren Fachbereichen und im Umgang mit Jugendlichen professionell ausgebildet und bilden sich laufend weiter.
  • Eine Schule leiten heisst, den alltäglichen Schulbetrieb sicherstellen (Management) und die Schule langfristig entwickeln (Leadership). 
  • Die Schulführung hat die Aufgabe, über die Bildungs- und Erziehungsziele nachzudenken, d.h. die verschiedenen Wertvorstellungen zu klären, diese zu einer gemeinsamen Vision über die Zukunft der Schule zu verdichten und in einem Leitbild zu verankern. Für die Umsetzung des Leitbildes benötigt die Schule eine Entwicklungsstrategie bzw. ein Schulprogramm.
  • Die Schulleitung kann die Herausforderungen und Ansprüche nicht alleine bewältigen. Sie benötigt die Unterstützung von erfahrenen Lehrpersonen auf der mittleren Führungsebene. Das sind Leiter:innen von Fachgruppen, Projektgruppen, Qualitäts- oder Schulentwicklungsgruppen oder Klassenlehrpersonen. Sie bilden eine Art Scharnier zwischen der gesamten Lehrerschaft und der Schulleitung.
  • Im Zusammenspiel von Strategie und Organisation spielt die Schulkultur eine bedeutende Rolle. Vertrauen, Transparenz, Empathie, partizipative Entscheidungsfindung sind wichtig. Alle Beteiligten sollten im Sinne der „Intrapreneurship“ Verantwortung übernehmen und sich für die Gesamtziele der Schule engagieren.
  • Die Personalführung orientiert sich an der 360 Grad Beurteilung. Diese ist Teil eines funktionalen Qualitätsmanagementkonzepts.
  • Und schliesslich ist das Führungshandeln konsequent auf den Bildungs- und Lernerfolg der Schüler:innen auszurichten. Sie stehen im Zentrum der Unterrichts- und Führungsprozesse. 


Gegen Ende 2023 wird das Buch, aktuell in der 4. Auflage, auch als EBook in deutscher und englischer Sprache erscheinen.
 

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